Erlebnisweg Morsbach

Das Klappern der Wasserräder und Dröhnen der Hämmer erfüllte über Jahrhunderte das Tal am „fleißigsten Bach der Region“. Hier entstanden qualitätsvolle Werkzeuge und Raffinierstahl, die das Morsbachtal in aller Welt berühmt machten. Die 13 Kilometer lange Tour führt durch lichte Auen und dichte Wälder, begleitet vom Rauschen des Morsbachs. An den Ufern zeugen historische Anlagen, moderne Fabriken und Spuren in der Landschaft von der industriellen Entwicklung.

Start: Brückenpark Müngsten
Ziel:   Remscheid, Hilbertshammer
Weitere Einstiegsorte: Morsbach, Aue, Gerstau

Schwierigkeitleicht
Streckeca. 12 Kilometer, überwiegend breite Wanderwege mit wenig Steigung, zum Teil schmale, unebene Pfade (nicht kinderwagentauglich)
Dauer3,5 Stunden
Anstiegca. 270 hm
Abstiegca. 170 hm
Startpunkt der Tour
51.16543°N 7.13643°E
Zielpunkt der Tour
51.20112°N 7.21180°E

Höhenprofil

Wegbeschreibung

Müngsten (1)
Hier, am Zusammenfluss von Wupper und Morsbach, begegnen sich Remscheid, Solingen, und Wuppertal. Startpunkt der Tour  ist die Info-Stele an der Napoleonsbrücke am Eingang zum Brückenpark Müngsten. Vom Parkplatz führt ein ausgeschilderter Weg hierher.

Der Talraum bei Müngsten war einstmals ein bedeutendes Zentrum der bergischen Kleineisenindustrie. Hier entstand auch das erste zusammenhängende Sensenwerk der Region. Die sogenannte „Napoleonsbrücke“ aus Feldsteinen stellte ab 1850 die erste solide Verbindung von Remscheid nach Solingen her. Mit dem Bau der Müngstener Brücke 1897 wurde Müngsten zum beliebten Ausflugsziel, an der Wupper lag eine beliebte Gastwirtschaft mit Biergarten. 1960 musste der Ort dem Straßenbau weichen.

Baumriese (2)
Ins Morsbachtal geht es von der Info-Stele erst nach links und nach wenigen Metern rechts in den Wald hinein. An der Weggabelung führt rechts der Erlebnisweg Wupper Richtung Burg, links folgt der Weg oberhalb des Morsbachs durch den "Schimmelbusch". Im Wald fällt ein einzelner, besonders mächtiger Baum auf. Er könnte die letzten rund 150 Jahre überstanden haben, weil er aufgrund seiner Wuchsform nicht für die Brennholznutzung geeignet war. Zurzeit der Industrialisierung waren die Hänge des Morsbachtals fast kahl geschlagen, erste im 20. Jahrhundert wurde der Wald geschützt und systematisch aufgeforstet. In Notzeiten jedoch, so auch in den beiden Weltkriegen, wurden Bäume zum Heizen verwendet.

Sägenfabrik Köster / Gockelshammer (3)
Nach kurzer Strecke zweigt links ein steiler Serpentinenweg ab. Bergab geht es bis zur Solinger Straße, die man überqueren muss. Die gegenüberliegende Anliegerstraße führt in die Hofschaft Gockelshütte.  Hermann Köster gründete hier 1874 eine Sägen- und Messerfabrik. Da der Morsbach keinen Platz mehr für weitere Wasserkraftanlagen bot, wurde hinter dem Fabrikgebäude der “Borntaler Siefen” für den Betrieb eines Wasserrades zum Teich aufgestaut. Ein Abstecher hinunter zum Morsbach führt an den Ort, an dem schon 1441 Herr Gockel aus Remscheid-Westhausen eine Eisenhütte betrieb. Ab dem 16. Jahrhundert verlegte man sich auf die Stahlproduktion und stellte bis 1960 Raffinierstahl her. Heute werden die Gebäude privat genutzt.

Engelskotten  (4)
Der Erlebnisweg führt oben an der ehemaligen Sägenfabrik Köster vorbei in den Wald und parallel zum Bach bis zum Engelskotten. Im heutigen Wohnhaus betrieb die Familie Picard vom 16. Jahrhundert bis 1902 einen Schleifkotten. Anschließend stellte hier die Familie Biertz spezielle Schleifmaschinen und Aluminiumformen für die Schuhsohlenproduktion her. Eine Besonderheit war der Hammerteich, in dem der Morsbach wie eine Minitalsperre aufgestaut wurde. Seine Lage ist heute noch gut erkennbar. Nebenan kann man im traditionellen Gasthaus "Bärenkuhle" einkehren.

Morsbach (5/6)
In Höhe der „Bärenkuhle“ führt der Weg auf die andere Straßenseite und weiter am Morsbach entlang.  Vorbei an keiner kleinen Höhle am Waldrand erreicht man bald die Hofschaft Morsbach. Die um einen frühen Lehnhof entstandene Ortschaft wurde erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt und entwickelte sich zur größten Ansiedlung entlang des Flusses. In mehreren Hammerwerken wurde noch bis 1932 Stahl zu Blechen gearbeitet. Heute sind noch einige interessante Gebäude im romantischen Ortskern und die 1845 von Franz-Arnold Schmidt gegründete Sägenfabrik zu sehen. Gegenüber lädt das traditionsreiche Landhaus Morsbachtal zur Rast auf der Terrasse ein.

Die gelbe Markierung leitet zurück zur Brücke über den Morsbach. Der Weg führt morsbachaufwärts durch die Beckeraue. An der nächsten Weggabelung geht es links Richtung Beckerhof. Hinter den Häusern geht es recht bergab über einen kleinen Bach zum Prangerkotten. Der Weg stößt auf eine Fahrstraße, die steil hinauf zur Hofschaft Berg führt.

Ehemalige Kotten  (7)
Auf dem Weg zwischen Berghang und Morsbach kommt man immer wieder an ehemaligen Kotten vorbei. Nachdem die Betriebe nicht mehr auf die Wasserkraft als Energiequelle angewiesen waren, verließen viele das enge Morsbachtal. Nur wenige Fabriken expandierten an Ort und Stelle. Die meisten Kotten sind inzwischen zu Wohnhäusern umgebaut oder werden von Kleingewerbebetrieben, wie hier von einer Autoverwertung, genutzt.

Auenlandschaft (8)
An der nächsten steilen Kurve verlässt man die Fahrstraße, folgt dem rechts abbiegenden Wanderweg durch den Wald und überquert zwei Bäche. Auf der rechten Seite öffnet sich die viel gerühmte blumige Auenlandschaft am Morsbach, die unter Naturschutz steht. Sie ist jedoch kein Naturprodukt, sondern wurde von Menschen geschaffen. Die Siedler entwässerten die sumpfigen Talgründe, legten Weiden, Gärten und Gräben an. Die heute kaum noch bewirtschafteten Flächen werden gepflegt, um den vielen Tier- und Pflanzenarten, die sich inzwischen hier angesiedelt haben, den Lebensraum zu erhalten.

Tescheshammer im Rheinbachtal (9/10)
Ein Abstecher führt die Rottsieper Straße hinauf und an der nächsten Kurve in den Wald. Nach kurzer Zeit erreicht man eine romantische Waldlichtung am Rheinbach. Auf dem Weg dorthin lüften mehrere Stationen nach und nach das Geheimnis des verschwundenen Sensenhammers, von dem noch wenige Reste im Bodenrelief ausgemacht werden können. Der Ort bietet eine ideale Kulisse für ein Picknick am Bach.

Weiter im Tal verläuft der Erlebnisweg Morsbach. Etwas versteckt geht es nach links auf einen Fußweg, der parallel zur Morsbachtalstraße an einem Fachwerkhaus vorbei und über eine kleine Brücke zu den nächsten Wohnhäusern führt.

Bahnstation Aue (11)
Um das abgelegene Tal mit dem Rest der Welt zu verbinden, gründeten die Fabrikanten 1889 eine Aktiengesellschaft zum Bau einer Eisenbahnstrecke. Bereits zwei Jahre später fuhr die Ronsdorf-Müngstener Eisenbahn durchs Morsbachtal. Heute erinnern noch einige ehemalige Güterschuppen, wie hier in Aue, an die 1952 stillgelegte Bahnstrecke. Gleich nebenan freut sich das früher besonders bei Eisenbahnern beliebte Lokal "Wildschütz" auf hungrige Wanderer.

Breitenbruch (12)
Am Waldrand geht es nun an der Maschinenmesserfabrik Ibach vorbei. Cronenberger Fabrikanten, die das Sensenprivileg besaßen, siedelten sich um 1600 auf dem sumpfigen Gelände an. Ab 1829 baute die bekannte bergische Fabrikantenfamilie Ibach einen der Hämmer zur Fabrik aus. Bis heute stellt das Familienunternehmen Maschinenmesser her und ist der weltweit größte Produzent für Toilettenpapier-Schneidemesser. Die Anmutung des alten Standorts ist weitgehend erhalten, zumal 1998 auch der Hammerteich wieder instand gesetzt wurde.

Kaufmannshaus Wüsten (13)
Am ehemaligen Hammerteich stößt der Waldweg auf eine Fahrstraße, der man nach links folgt. Am Hang sieht das trutzige Haus Wüsten. 1675 erbaute die Kaufmannsfamilie Wüsten das Wohn- und Geschäftshaus am Breitenbruch. Ihre Hämmer und Kotten am Morsbach verpachtete sie an Schmiede und Schleifer um mit den Produkten Handel zu treiben. Zum Anwesen gehört auch die Kleinschmiede, in der Fritz Ibach den Grundstein für die wenige Meter entfernte Maschinenfabrik legte. Das verschieferte Stammhaus der Ibachs steht neben dem alten Kaufmannshaus. 

Panorama (14)
In einer weiten Kurve führt der Weg am Waldrand entlang bis zur Haster Aue.  Oberhalb der Firma Picard bietet sich ein wunderschöner Blick in das Morsbachtal und auf die Hofschaften der gegenüberliegenden Höhen. Ein paar Schritte weiter überblickt man das Gelände der Firma Picard, die heute Spezialteile für Industriemaschinen in die ganze Welt liefert. Drei Stationen erzählen ihre Erfolgsgeschichte, die mit einem Schleifkotten am Morsbach begann. Anstelle der Kotten sieht man heute große Fabrikhallen, aber die 1904 erbaute Jugendstilvilla samt Park und Springbrunnen ist nahezu unverändert.

Grenzland (18)
Zur Zeit der Industrialisierung wurden die Wälder und Talgründe rund um den Morsbach intensiv genutzt. Die Bäume wurden oft an Ort und Stelle zu Holzkohle für die Schmieden und Hämmer vermeilert. Alte Meilerplätze kann man heute noch im Wald entdecken. Viehwirtschaft und Gemüseanbau wurde im Nebenerwerb in den trockengelegten Auen betrieben. Die Weiden begrenzte man durch Wälle aus dichtem Buschwerk, die hier noch sichtbar sind. Alte Bewirtschaftungsformen, wie die Schafweide, werden heute gefördert, um die Auen zu erhalten.

Gerstau (19)
Der Weg führt in die alte Hofschaft Gerstau. Hier herrschte schon früh geschäftiges Treiben. Spätestens seit 1425 trieb der Morsbach das Wasserrad einer der ersten Remscheider Kornmühlen an. Seit dem 17. Jahrhundert werden angrenzend ein Stahlhammer, eine Eisenhütte und die ersten Einwohner erwähnt. Von den Stahl- und Breithämmern, die zum Teil noch bis in die 1970er Jahre betrieben wurden, ist nichts mehr zu sehen, aber das alte Mühlengebäude und das Haus in dem sich die Schliepersche Brauerei befand, stehen noch. Der Weg trifft hier auf die Hastener Straße. Nach der Überquerung folgt der Wanderweg am Morsbach entlang durch den Wald.

Eselsweg (20)
Kurz vor der Hofschaft Clemenshammer biegt links ein steiler Hohlweg ab, der Eselsweg. Da es bis lange nach 1800 keine befestigte Straßen im Tal gab, war dies der Transportweg, über den die Hämmer in Clemenshammer über Cronenberg mit Kohlen aus dem Ruhrgebiet versorgt. Mit Säcken und Bündeln beladene Pferde und Esel, die wie bei einer Karawane aneinander gebunden waren, wurden von den Kohlentreibern ins Tal geführt.

Steffenshammer (20)
Wenige Meter weiter führt eine Brücke über die Gelpe, kurz vor ihrer Mündung in den Morsbach. Hinter der Brücke geht es links die Straße hoch. Tief eingeduckt unter dem Hammerteich liegt der Steffenshammer. Im malerisch gelegenen Hammer von 1746 treibt das große Wasserrad noch immer die acht Tonnen schwere Holzwelle an. Eingelassene Zapfen heben den Schwanzhammer, der dröhnend auf den Amboss fällt.

Schiffsrutsche (21)
Auf der anderen Seiten der Morsbachtalstraße lag rechts der Mottenhammer.  Pfingsten 1903 war er die Attraktion des ganzen Tales. Von einem hohen Gerüst am Berghang startete das Boot "Kaiser Wilhelm II" mit 43 Passagieren zur Jungfernfahrt in den Hammerteich. 10 Jahre lang herrschte reges Treiben an der Rutsche und in den benachbarten Wirtschaften. Die Gebäude der Gastwirtschaften stehen heute noch, Teich und Hammer können nur noch erahnt werden.

Stahlhammer Halbach/Böker (22)
Der Weg führt an der Ampel über die Morsbachtalstraße und links in die Clemenshammer Straße. Weiter geht es am Morsbach entlang und bald erreicht man die Hofschaft Platz. Schon von weitem sieht man das an der scharfen Kurve liegende Fabrikgebäude mit dem hohen Schornstein. Die seit mindestens 1642 bestehende Eisenhütte wurde in einen Hammer umgebaut. Hier setzte Albert Böker seit 1847 die erste Dampfmaschine auf Remscheider Gebiet als Energiequelle ein.

Platz (23)
Platz entwickelte sich über Jahrhunderte vom Hüttenplatz zur Hofschaft. Zunächst standen hier eine Eisenhütte und mehrere Hämmer, später kamen Wohnhäuser hinzu. Heute bilden einige denkmalgeschützte Häuser den romantischen Ortskern. Der Neuplatzer Weg führt oberhalb der am Morsbach liegenden Firmen Hagenböcker und Branscheid vorbei und bald ist auch der Morsbach wieder zu sehen.

Gründerhammer (24)
An der nächsten Kreuzung führt eine Brücke über den Morsbach. Links mündet der Ibach in den Morsbach. Kaum zu glauben, dass dieses unscheinbare Gewässer den dramatischen Ibach-Streit auslöste, in dem die Anlieger des Ibachs jahrzehntelang um die Wasserrechte kämpften. Auf der Tafel an der Einmündung des Ibachs ist die Geschichte nachzulesen.

Halbach (25)
Auf der gegenüberliegenden Seite der Morsbachtalstraße liegt an der Ecke die Werkzeugfabrik Halbach. Auf ihrem Gelände befand sich seit Mitte des 16. Jahrhunderts eine Eisenhütte, 1607 ein Hammerwerk und zwei Schleifkotten, die später ebenfalls als Hammerwerke genutzt wurden. 1943 erwarb Friedrich Halbach aus Gründerhammer die Anlagen und baute sie zu einer Werkzeugfabrik aus. Erst 1950 wurde der letzte Wasserhammer stillgelegt und der Hammerteich eingeebnet.

Kottenweg (26)
Der Weg führt auf der rechten Seite des Morsbachs weiter über den Neuplatzer Weg. An der  nächsten Kreuzung führt der Kottenweg wieder hinunter zum Morsbach. Hier stand früher eine Lohmühle, in der gerbstoffhaltige Baumrinden gemahlen wurden. Diese benötigte man zur Lederproduktion. Ab 1900 wurden auf dem Gelände von der Firma Matador Zangen, Hämmer, Steckschlüssel und andere Werkzeuge produziert. Da die Straße sehr eng ist, wird der Erlebnisweg oberhalb des Morsbachs über den Neuplatzer Weg zum Ortsteil Clarenbach fortgesetzt.

Edelstahlwerk Gustav Grimm (27)
In Clarenbach, wo Leyer- und Diepmannsbach zum Morsbach zusammenfließen, begann Gustav Grimm 1887 mit der Raffinierstahlproduktion. Im Familienbetrieb "Gustav Grimm Edelstahl-Werk GmbH" werden heute in der Freiform-Schmiedepresse Stahlteile in jede gewünschte Form gepresst.

Leyerbach (28)
Von Clarenbach macht der Erlebnisweg noch einen Abstecher in das schöne Leyerbachtal. An der Brücke über den Leyerbach zeugen Mauerreste von verfallenen Hammeranlagen. In der Auenlandschaft des Naturschutzgebietes "Leyerbachtal", auch Silbertal genannt, kann man mit Glück die seltene Wasseramsel beobachten. Auch Graureiher und Flußkrebse sind hier heimisch.

Hilbertshammer (29)
Wenige Meter hinter der Firma Grimm zweigt ein malerischer Wander- und Radweg ab, der am Leyerbach entlang zum Hilbertshammer führt. Im Gebäude von 1726 wurde bis 1943 Raffinierstahl hergestellt. Karl Grimm war einer der letzten Spezialisten, der sich auf die Herstellung des Raffinierstahls mit der Kraft des Wasserrades verstand. Bis vor einigen Jahren wurden hier noch Lehrlinge der Firma ausgebildet. Heute treiben die zwei Wasserräder die Hammerwelle und den Blasebalg nur noch zu Schmiedevorführungen an.

 

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