Erlebnisweg Eschbachtal

Das Eschbachtal war lange eine einsame Gegend. Die Grafen auf Schloss Burg wollten das Wild in ihrem Jagdrevier nicht durch dröhnende Hammerwerke vertreiben. Ab dem 17. Jahrhundert erfasste die Industrialisierung auch das tief eingeschnittene Tal. Hämmer, Schleifkotten, Feilenfabriken und die erste Trinkwassertalsperre Deutschlands entstanden am Eschbach. Zahlreiche Zeugen der intensiven Nutzung der Wasserkraft, Objekte des Kunstprojekts "1000wassertal" und landschaftliche Schönheit geben der Tour ihren ganz eigenen Charme.

Start: Solingen-Unterburg
Ziel: Remscheid, Eschbachtalsperre
Weitere Einstiegsorte: Tyrol, Preyersmühle, Mebusmühle, Eschbachtalsperre

Schwierigkeitleicht
Streckeca 10 Kilometer, überwiegend Wanderwege, kurze Straßenabschnitte, kurzer steiler Aufstieg bei Luhnshammer (zu umgehen über die Straße)
Dauer3 Stunden
Anstiegca. 220 hm
Abstiegca. 70 hm
Startpunkt der Tour
51.13791°N 7.14815°E
Zielpunkt der Tour
51.15864°N 7.23114°E

Höhenprofil

Wegbeschreibung

Burg (1)
Der Ort wuchs um das 1133 erreichtete Schloss, Hauptsitz der Grafen von Berg
Unterburg war seit dem 16. Jahrhundert ein Zentrum der Tuchweberei - nach ihrem Niedergang dominierte die Eisenindustrie. Heute leben viele Familien vom Tourismus. Zahlreiche Gaststätten laden zum Aufenthalt ein.  Hoch über dem Flusstal thront Schloss Burg. Der 1133 errichtete Hauptsitz der Grafen von Berg wurde 1648 zerstört. Ab 1887 organisierte eine private Initiative, der Schlossbauverein, den historisierenden Wiederaufbau.

Wildwasser (2)
Ein paar Meter bachaufwärts führt der Weg von der Hauptstraße weg auf den Fußweg am Fluss entlang. Das anmutige Gewässer kann sich bei  Dauerregen schnell in ein tosendes Wildwasser verwandeln. Immer wieder kommt es zum Hochwasser in Unterburg, deshalb sollen umfangreiche Schutzmaßnahmen umgesetzt werden.

Ehemalige Mühle (3)
Der Fußweg endet an der ehemaligen Fruchtmühle aus dem Mittelalter. Sie war wohl das früheste Wassertriebwerk am Eschbach. Heute ist nur noch das Untergeschoss aus Bruchstein erhalten. Das erste Stockwerk und der viel größere Anbau aus Backstein stammen aus späteren Zeiten, als die Fruchtmühle zur Walkmühle umfunktioniert und in der angegliederten Deckenfabrik die berühmten "Burger Scharzen" gewebt wurden.

Vorbei an malerischen Fachwerkhäusern trifft der Weg wieder auf die Eschbachstraße.

Kotten am Steg (4)
Nur wenige Mauerreste im wuchernden Gestrüpp lassen die die Umrisse eines 1960 niedergelegten Kottens erahnen. Hier wurde über Jahrhunderte die Wasserkraft für viele Gewerke genutzt: Schleiferei, Spinnerei, Stampfwerk, Holzschneiderei,  zuletzt wurde ein Elektrizitätswerk betrieben.  (Bild: Zeigt das Elektrizitätswerk auf einer Postkarte aus dem Jahr 1905)

Bahnhof Burg (5)
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, kurz vor der großen Kreuzung auf einer heutigen Freifläche, befand sich früher der Bahnhof. Von hier startete von 1889 bis 1930 der "Feurige Elias", um mit 15 km/h Höchstgeschwindigkeit über zahlreiche Kurven hoch nach Wermelskirchen zu dampfen. Später übernahmen die Straßenbahn und schließlich der Bus seine Aufgaben.

Burgtal (6)
An der Kreuzung geht es über die Straßenbrücke und links in einen Waldweg. Nach wenigen Metern steht man hinter einer alten Fabrikanlage. Als die Gussstahl-Scherenfabrik Burgtal 1842 errichtet wurde, war sie das größte und modernste Werk am Eschbach. Allein das Wasserrad hatte einen Durchmesser von 9,5 Metern. Die Fabrik bot aber auch eine gefürchtete Konkurrenz für die traditionell geschmiedeten Scheren. Deshalb  zerstörten Solinger und Remscheider Schmiede und Schleifer 1848 das Werk. Später wurde es wieder errichtet und zuletzt bis in die 1980er Jahre von der Kugelfabrik Schulte & Co genutzt.

Luhnshammer (7)
Am Ende des Waldweges stößt man auf den Luhnshammer, seit 1776 nach seinem  neuen Besitzer benannt.  Ursprünglich wurden hier zwei Hammerwerke betrieben.  Um 1900 verfielen die Hämmer und einer von ihnen wurde zusammen mit einem benachbarten Wohnhaus 1955 abgerissen. 1958 wieder in Betrieb genommen, wurden Schwerte und Degen hergestellt, später zog eine Kunstschmiede ein.

Wer gut zu Fuß ist, kann dem leicht alpinen Wanderweg folgen, alternativ geht es ein Stück die Straße entlang.

Neuwerk (8)
Die Sensenindustrie gehörte einst zu den einträglichsten Produktionszweigen im Eschbachtal. Insbesondere vier erfolgreiche Stahlproduzenten aus der Region etablierten die Produktion der aus der Steiermark stammenden, stählernen "Blausensen" und gründeten bis 1804 große Blausensenfabriken. An diesem Standort wurden um das Jahr 1819 noch jährlich 100.000 Sensen hergestellt.

Walzwerk (9)
Auf einer Handelsreise in England lernte der Kaufmannssohn Daniel Hasenclever die Herstellung gewalzter Stahlplatten zur Sägenfabrikation kennen. Er erwarb ein Hammerwerk im Eschbachtal und ließ es 1839 zu einem Stahlwalzwerk mit Wasserantrieb umbauen. Die Remscheider Sägenindustrie war ein dankbarer Abnehmer der Bleche. Der Hammerteich, dessen Umrisse heute noch erkennbar sind, hatte eine beachtliche Größe. Das Werk wurde bis 1901 betrieben. Später wurden in den Gebäuden Maschinenmesser und Landmaschinenteile produziert.

Der Erlebnisweg folgt dem Abzweig rechts, die große Eckstele weist den Weg. Für den Bau der Eisenbahn von Burg nach Wermelskirchen wurde hier Ende des 19. Jahrhunderts ein Felsen gesprengt. Die stillgelegte Trasse ist noch gut zu erkennen.

Kellershammer (10)
Der Kellner von Burg servierte nicht etwa den adeligen Herrschaften Speisen und Getränke, sondern führte Buch über die Mühlen, Schleifkotten und Hämmer im Herzogtum. So war es Johann Bernhardt Francken, seinerzeit Kellner von Burg, nicht entgangen, dass sich aus derlei Anlagen ansehnlicher Profit schlagen ließ. Drei eigene Hammeranlagen errichtete er rund um die Lobachmündung am Eschbach.

Zwischen Tyrol und Preyersmühle stößt man immer wieder auf Hörrohre, Sehrohre und Hörtonnen des Kunstprojektes „1000Wassertal“.

Johanneshammer (11)
Raffinierstahl, Sensen uns Feilen - die begehrtesten Produkte aus dem Eschbachtal - wurden im Laufe der letzten 400 Jahre auch im Johanneshammer hergestellt. Als sich die Produktion nicht mehr lohnte, machte ein Wanderverein Gebäude und Gelände zum  Wochenenddomizil.

Altenhammer(12)
Bereits 1591 begründete Peter auf dem Hohenhagen mit einer Eisenschmelzhütte, einer Giesserei und einem Hammerwerk die Tradition des Gewerbestandorts Altenhammer. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich in den alten Gebäuden ein beliebtes Restaurant. Auf dem Hammerteich zeigten an Sommertagen mutige "Teichradler" ihr Können. Auch heute ist der lauschige Platz am Teich mit Grillhütte beliebt - Bier und Bratwurst muss man sich jedoch selber mitbringen und die Hinterlassenschaften anschließend bitte entsorgen.

Heyenbrucher Hammer (13)
"Auf das verlorene Wasser gebaut" hieß es, wenn ein zweiter Hammer an einem bereits genutzten Teich entstand. Dies war auch beim 1685 errichteten Heyenbrucher Hammer der Fall:  In beiden Betriebsstätten stellte man den begehrten "Raffinierstahl" her und verkauften ihn in der Region. Heute steht nur noch einer der Hämmer.

Der Weg führt hinter dem Örtchen Zurmühle und ehemaligen Hammerteichen etwas oberhalb des Eschbachs durch den Wald. Oberhalb des Ortschaft Schlepenpohl wurden Fischteiche angelegt. Der Wanderweg kreuzt die Wermelskirchener Straße (L409). Einige hundert Meter weiter führt ein Stichweg nach Preyersmühle. Der Wanderweg führt weiter auf dem Waldweg oberhalb des Eschbaches.

Preyersmühle (14)
Johann Preyer war 1692 Bauherr der Mühle am Eschbach, die der kleinen Ortschaft den Namen gab. Schon 1650 hatte hier eine Getreidemühle gestanden, die aber im 30jährigen Krieg zerstört worden war. Die Preyersmühle wurde in den 1950er Jahren abgerissen. Das gleichnamige Restaurant existiert mindestens seit 1910 an der Kreuzung der Talstraße mit der 1827-29 erbauten Landstraße Remscheid - Wermelskirchen. Der Eschbach floss unterhalb der Ortschaft fast komplett in den riesigen Hammerteich der Feilenfabrik Ernst Ehlis. Am Ortsausgang befand sich mit der Firma Wellershausen eine weitere große Feilenfabrik. Feilen zählten zu den wichtigsten Artikeln der Remscheider Werkzeugindustrie. 

Nach der Überquerung des Falkenberger Baches sieht man rechts den Dorfmüllershammer.

Dorfmüllershammer (15)
1768 erhielt Peter Dorpmüller zu Kenkhausen die Genehmigung zum Bau eines Kottens. Später errichtete er noch ein zweites Werk am gleichen Teich. In den zwei Hammerwerken mit Schleifkotten entstanden Schnellstahlmeißel zum Hauen der Feilen, Stechbeitel und vieles mehr. Im zweiten Weltkrieg wurde das Werk schwer beschädigt. Heute sind Bruchsteingebäude und der Teich erhalten. In der modernen mechanischen Werkstatt wird heute jedoch mit elektrischem Antrieb gearbeitet.

Waldnutzung (16)
Heute ist dem Wald nicht mehr anzusehen, dass er früher fast kahl geschlagen war: Für die Eisenschmelzen und Schmieden benötigte man riesige Mengen an Holzkohle.

Die Entwicklung zum Hochwald fand erst im 20. Jahrhundert statt. Zuvor war hier der "Niederwaldbetrieb" eine verbreitete Methode der Laubholzbewirtschaftung. Die gerodeten Waldflächen wurden dabei nicht wieder aufgeforstet, sondern man gewann das Holz über Stockausschläge. Besonders Eiche und Hainbuche eignen sich für diese Forstnutzung. Die aus den Wurzelstöcken ausgeschlagenen Äste konnten aber häufig nur als Brennmaterial, Stangen- und Pfahlholz verwendet werden.

Freibad Eschbachtal (17)
Kurz vor dem Freibade wechselt der Weg auf die andere Seite des Eschbachs und führt ein kleines Stück die Straße entlang.

1912 eröffnete Remscheid als erste Stadt im Rheinland ein Freibad. Mit seiner großzügigen Anlage und Ausstattung wurde es zum Vorbild für viele weitere Bäder. Drei Becken, "Damen-" und "Herrenbad" noch streng getrennt, wurden vom Turbinenwasser der Talsperre ständig mit frischem Wasser versorgt. Das Bad wurde schon bald zu einem Anziehungspunkt und ist es - nach Umbau und Modernisierung - bis heute.

Wasserwerk (18)
Ein paar Meter weiter führt der Weg hinunter zum ersten Remscheider Wasserwerk. Um die Versorgung der wachsenden Industriestadt sicherzustellen, legte man hier ab 1882 auf Initiative des Stadtverordneten, Industriellen und Kaufmanns Robert Böker ein System von Sickergalerien und Brunnen an. Das gesammelte kostbare Nass wurde vom Pumpwerk zum Wasserturm am höchstgelegenen Punkt Remscheids befördert. Nach mehrfachen Erweiterungen wurde das Wasserwerk 1964 - 1967 am alten Standort neu errichtet und 2004 stillgelegt.

Mebusmühle (19)
Der Waldweg trifft nach einem knappen Kilometer auf die Intzestraße – benannt nach dem Erbauer der Eschbachtalsperre. Auf der Straßenseite gegenüber liegt die Mebusmühle, eine der ältesten Wasserkraftanlagen am Eschbach, benannt nach Mevus up der Mylen, der sie errichtete. 1528 ist er in Kirchenbüchern aufgeführt. Im Nachfolgebau aus dem 18. Jahrhundert lädt heute ein Restaurant mit Biergarten zur Rast ein.

Eschbachtalsperre (20)
Hinter der Mebusmühle, vorbei an Teichanlagen, geht es bald durch einen Tunnel. Er führt unter der Autobahn BAB1 hindurch und gibt danach den Blick auf die beeindruckende Staumauer der Eschbachtalsperre frei. Die 1893 fertig gestellte älteste Trinkwasser-Talsperre Deutschlands ist landschaftlich reizvoll gelegen und heute ein beliebtes Naherholungsziel.

 

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