Spurensuche Tuchmacherstadt

Idylle pur: Gassen und Gässchen, winkelige, bergische Schieferhäuser und romantische Plätze. Aber: Lennep ist mehr als ein verträumtes Städtchen - ab dem Mittelalter machten es die Tuchmacher weltberühmt. In den engen Mauern wuchsen Handelshäuser und Fabriken empor - aus der Klosterkirche wurde eine Weberei. Kaufleute, Händler, Erfinder und Arbeiter hinterließen ihre Spuren. Durch sie wird der Altstadtbummel zur spannenden Zeitreise.

Start: Deutsches Röntgenmuseum
Ziel: Tuchmuseum Lennep

Schwierigkeitleicht
Streckeca 3 Kilometer, Rundweg an Straßen entlang
Dauer1 Stunde
Anstiegca. 30 hm
Abstiegca. 30 hm
Startpunkt der Tour
51.19382°N 7.25947°E
Zielpunkt der Tour
51.19347°N 7.26029°E

Wegbeschreibung

Haus Oelbermann (1)
Das 1803 von dem Textilfabrikanten Oelbermann erbaute Wohn- und Geschäftshaus wurde zur Straßenseite mit hölzernen Pilastern, Schmuckgiebel und Freitreppe besonders aufwendig gestaltet. Seit 1932 beherbergt es das Deutsche Röntgen-Museum, das 1937 um einen Hallenanbau und 1986 um einen gläsernen Eingangsbereich erweitert wurde. Die Ausstellung lädt dazu ein, auf den Spuren von Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) zu wandeln, der in Lennep geboren wurde.

Stammsitz der Firma Wülfing (2)
Das 1674 gegründete Familienunternehmen hatte bis 1862 seinen Stammsitz an der Schwelmer Straße 18. Auch als man die Produktion 1814 an die Wupper verlegte, blieb der Firmensitz in Lennep, in der Kölner Straße 36 und 38. Hier wurden die Stoffe veredelt und versandfertig gemacht. Am alten Standort richtete nach 1862 das Handelshaus Peter Hammacher, das ebenfalls Produktionsanlagen an der Wupper betrieb, sein Wolllager ein. Heute ist das Gebäude ein Wohnhaus.
An der Weggabelung führt der Weg über die Berliner Straße, vorbei an der Stadtkirche, bis zum Marktplatz.

Alter Markt (3)
An einer bedeutenden Handelsstraße gelegen, entwickelte sich Lennep schon im Mittelalter zu einem internationalen, hansischen Handelszentrum. Durchreisenden Kaufleuten bot der Mauerring Schutz.  Stadtrechte wurden 1277 erstmals urkundlich erwähnt, ab dem 14. Jahrhundert verfügte der Ort über Marktrechte. Der Markt wurde vom Magistrat beaufsichtigt, der als Stadtgericht und oberste Verwaltungsbehörde regierte.

Ein kurzer Abstecher führt vom Alten Markt in die Neugasse.

Moll´sche Fabrik (4)
Bereits seit dem 15. Jahrhundert stellte die Familie Moll in Lennep Tuche her. Das Gebäudeensemble der Firma an der unteren Neugasse ist bis heute erhalten und typisch für die Zeit der beginnenden Industrialisierung: Wohn-, Büro-, Lager- und Fabrikgebäude liegen auf engstem Raum nebeneinander. Das Fabrikgebäude im Hinterhof entstand 1805. Es ist die älteste erhaltene Produktionsstätte der Lenneper Tuchindustrie. Heute wird es von einem Sportverein genutzt.

Zurück am Alten Markt geht es gegenüber in die Kronengasse und an der nächsten Kreuzung links in die Schwelmer Straße, dann nach wenigen Metern  rechts die Klostergasse.

Textilfabrik Carl Mühlinghaus (5)
1887 ersteigerte der Trikotagenfabrikant Carl Mühlinghaus die ehemalige Klosterkirche und nutzte sie als Wolllager. Mit dem Einbau zusätzlicher Etagen betrieb er hier später auch eine Weberei. Den Umbau der Kirche zur Fabrik plante der Architekt Albert Schmidt. 1969 wurden die letzten Klostergebäude, weitere Fabrikgebäude im ehemaligen Klostergarten nach Schließung der Firma 1978 abgerissen. 1985 bis 1987 wurde saniert und umgebaut. Heute befinden sich ein Kulturzentrum und ein Restaurant in dem Gebäude.

Am Kloster-Restaurant vorbei geht es nach rechts weiter in die Wallstraße.

Alte Badeanstalt (6)
Auf den sumpfigen Wiesen an der ehemaligen südlichen Wallanlage entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine öffentliche Badeanstalt. Um das Fundament auf dem schwierigen Gelände anlegen zu können, musste der Lenneper Baumeister Albert Schmidt zunächst ein System aus Pfeilern und Gewölben anlegen. Damals war die Badeanstalt eine vorbildliche Einrichtung über die nur wenige Städte verfügten und erfreute sich großer Beliebtheit. 1979 war sie nicht mehr rentabel und wurde zum Jugendzentrum "Die Welle" umgebaut.

Nach wenigen Metern geht es links in eine kleine Gasse. Ein Tor in der Bruchsteinmauer führt in einen Park.

Kleiner Hardt Park (7)
Eine Stadtmauer mit vier Toren umschloss Lennep bis in die 1790er Jahre. Erst als sie niedergelegt wurde, konnte die Stadt sich ausdehnen. Großzügige Fabrikantenvillen mit parkähnlichen Anlagen entstanden, darunter das markante klassizistische Bürgerhaus (Kölner Straße 36), das der Tuchfabrikant Adolph Bauendahl zu Beginn des 19. Jahrhunderts errichten ließ. Dahinter befand sich ein großzügiger Privatgarten mit Rosenrabatten und Teehaus. Später bezog der Fabrikant Alfred Hardt die Villa. Den Garten stiftete er 1956 der Stadt.

Hardt Park (8)
Der größere Teil des heutigen Hardt-Parks befindet sich auf der nördlichen Seite der Wupperstraße. Er wurde von 1820 bis 1862 von der Fa. Bauendahl als Bleichwiese genutzt: Auf großen, hölzernen Rahmen wurden die Tuche zum Trocknen aufgespannt. 1862 übernahm die Firma Johann Wülfing & Sohn unter Leitung der Familie Hardt die Anlagen. 1910 ließ Hermann Hardt nach den Plänen eines Lenneper Architekturbüros den parkähnlichen Garten mit Reithalle, Pavillons und Nebengebäuden anlegen. Neben der Fabrik befand sich das Gartenlokal von Carl Wilhelm Vollmer, das 1912 zugunsten eines Warenhauses abgerissen wurde.

Firma Bauendahl (9)
Dort, wo heute ein großes Kaufhaus steht, befand sich das Firmengelände der traditionsreichen Tuchmacherfamilie Bauendahl. Mit Verlagerung der Produktion nach Elsthal übernahm 1862 die Fa. Wülfing & Sohn die Gebäude. Das Wohnhaus der Bauendahls ( Kölner Straße 36) übernahm Albert Hardt, Leiter der Fa. Wülfing & Sohn. Heute nutzt die Deutsche Bank das Gebäude, der Garten ist ein Teil des Hardt-Parks.

Schürmann & Schröder (10)
Die Firma Schürmann & Schröder war die zweitgrößte Tuchfabrik in Lennep. Das Haus Poststraße 27 gehörte der Familie Schröder, der Firmensitz der Familie Schürmann befand sich gleich nebenan. Ab 1810 als Schürmann & Schröder firmierend, errichtete man 1812 Fabrikanlagen in Vogelsmühle an der Wupper für die industrielle Tuchproduktion. Kontor, Lager und Versand blieben bis 1910 in der Poststraße. Während die Poststraße 27 heute als Wohnhaus genutzt wird, wurde Gebäude nebenan in den 1960er Jahren abgerissen.

Nach links zweigt die Düstergasse ab, durch die man die Bahnhofstraße erreicht.

Bahnhof Remscheid-Lennep (11)
1868 erhielt Lennep durch die Verbindung nach Oberbarmen und Remscheid den Eisenbahnanschluß.1876 folgte die Strecke nach Wermelskirchen und Wipperfürth,1886 nach Dahlerau. Lennep war nun ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und hatte große Bedeutung für die industrielle Entwicklung der Stadt. Das Bahnhofsgebäude von 1910 und die Bahnhofstraße mit prächtigen Hotels waren einst die Visitenkarte der Stadt.

Durch die Bergstraße gelangt man zurück zur Poststraße, von dort geht es nach links weiter.

Handelshaus Hammacher (12)
In dem spätklassizistischen Bau (Poststraße 14) mit typisch bergischen Stilelementen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich das Handelshaus der Familie Hammacher.  Im Umfeld siedelten sich zu dieser Zeit einige der bedeutendsten Lenneper Tuchmacher- und Kaufmannsfamilien an.

Geburtshaus von Albert Schmidt (13)
In der Poststraße 8 wurde Albert Schmidt (1841-1932), geboren. Er führte in dritter Generation ein Baugeschäft und avancierte zum Hausarchitekten der Fa. Wülfing & Sohn. Neben Fabrikanlagen baute er Unternehmervillen, Arbeiterhäuser, Talsperren und viele öffentliche Gebäude in Lennep.

Der Poststraße weiter folgend erreicht man bald den Mollplatz.

Mühlinghaus am Thüringsberg (14)
Hermann Mühlinghaus, der seit 1888 am Mollplatz Trikotagen herstellen ließ, erweiterte 1910 seine Textilfabrik um den Bau am Thüringsberg 7-9. Architekt für das größte noch bestehende Fabrikgebäude im Altstadtbereich war Arthur Schmidt, der 1909 das Baubüro seines Vaters Albert Schmidt übernommen hatte. Ab 1954 stellte hier die Textilfabrik Adolph & Co (AMC) Strickwaren her. 1985 zog die Behinderten-Werkstatt der Lebenshilfe ein.

Thüringsberg (15)
In den 1790er Jahren wurde die Lenneper Stadtbefestigung abgebrochen und der Stadtgraben verfüllt. Zwischen 1820 und 1860 entstanden an der Alleestraße (heute Thüringsberg) repräsentative Fabrikantenvillen. Die freistehenden, zweigeschossigen Massivbauten waren von parkähnlichen Gärten umgeben und weit abgerückt von der parallel zum alten Stadtwall verlaufenden Straße.

Am deutschen Röntgen-Museum stößt der Thüringsberg wieder auf die Schwelmer Straße, der man wenige Meter bergauf folgt.

Maschinenfabrik Friedrich Haas (16)
1826 gründete der Mechaniker Friedrich Haas an der Schwelmer Straße/Ecke Hackenberger Straße) eine Werkstatt für Textilmaschinen, in der er bald alle Arten von Textilmaschinen und Trockenpressen selber herstellte. Als das 1867 errichtete Fabrikgebäude zu klein wurde, bezog die Firma 1911 einen Neubau im Süden Lenneps. Heute ist die alte Fabrik zu Wohnzwecken umgebaut, Schornstein und Architektur lassen die alte Bestimmung noch erkennen.

Tuchmuseum (17)
Feine Tuche wurden in Lennep schon im Mittelalter hergestellt. 1571 begünstigte ein Privileg des Landesherrn Herzog Wilhelm die Entwicklung: Nur hier durfte Lammwolle für den Weiterverkauf verarbeitet werden. Zur Zeit der Industrialisierung zogen viele Lenneper Firmen an die Wupper, um dort die Wasserkraft zu nutzen, Firmen- und Wohnsitze blieben jedoch in der Stadt. Aus dem Firmenmuseum der traditionsreichen Lenneper Tuchfabrik Johann Wülfing & Sohn, ging 1986 das Tuchmuseum hervor, eine Stiftung der Familie Hardt.

 

 

 

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