Made in Solingen

Mächtige Fabrikhallen und Arbeiterhäuser im Kontrast zu prächtigen Fabrikantenvillen, aber auch neue Technologien, modernstes Design und innovative Wohnformen finden sich auf dem Rundweg um den ehemalgien Solinger Hauptbahnhof. Wo zur Zeit der Hochindustrialisierung die großen und führenden Unternehmen der Metallindustrie entstanden, finden seit einigen Jahren gewaltige Umstrukturierungsprozesse statt. Innovation und Qualität „made in Solingen“ verbindet die traditionsreichen Firmen und junge Gründer.

Start und Ziel: Forum Produktdesign im Solinger Südpark

Interne Infos
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Schwierigkeitleicht
Streckeca 4 Kilometer, Rundweg an Straßen entlang
Dauer1 Stunde
Anstiegca. 20 hm
Abstiegca. 20 hm
Startpunkt der Tour
51.16424°N 7.08198°E
Zielpunkt der Tour
51.16424°N 7.08198°E

Wegbeschreibung

Forum Produktdesign (1)
Design, Entwicklung und Qualität ist das Erfolgsrezept der Solinger Industrie. Für edle Bestecke, feine Messer und anspruchsvoll gestaltetes Küchenwerkzeug gingen zahlreiche Designpreise an Solinger Unternehmen. Mit dem Forum Produktdesign entstand (Regionale 2006)  im denkmalgeschützten Hauptbahnhof ein Präsentationsort für herausragende Produkte, ein Kommunikationsort für Unternehmen und ein Forschungsinstitut. Die Funktion des Bahnhofs haben zwei neue Haltepunkte übernommen.

Kieserling-Gelände (2)
Die 1873 gegründete Maschinenfabrik Kieserling gehörte zu den ganz großen Solinger Unternehmen. Ihre Produkte, vor allem Stangen- Rohrbearbeitungs- und Schmiedemaschinen, wurden in alle Welt exportiert. Die Stilllegung hinterließ 1998 eine riesige Industriebrache mitten in der Stadt. Das Gelände kaufte der Solinger Stahlbaubetrieb Egon Evertz. Neben der Produktion organisiert die Firma unter dem Motto „Klassik in Werkshallen“ auch Konzerte. Zudem wurden ehemalige Werkshallen für die Musikschule umgebaut.  

Nach links geht es weiter bis zur Kölner Straße. Rechts neben der Lutherkirche (1901) auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Villa Jellinghaus.

Villa Jellinghaus / ehemalige IHK (3)
Die spätklassizistische Villa (Kölner Straße 1) ließ der Schneidwarenfabrikant und Präsident des Gewerbegerichts Wilhelm Jellinghaus 1840 erbauen, der eine bedeutende Rolle in der 1848er Revolution spielte.  

Die 1840 gegründete Solinger Industrie- und Handelskammer (Kölner Straße 8) gegenüber wachte zunächst besonders über Warenzeichen und Patente. Das heutige Gebäude in der Tradition der klassischen Moderne wurde 1952 vom Leverkusener Architekt Wilhelm Fähler auf den Grundmauern des 1944 zerstörten Vorgängerbaus errichtet. Es sollte die Arbeitsprinzipien der Kammer Klarheit, Aufgeschlossenheit, Sachlichkeit und Sparsamkeit zum Ausdruck bringen.

Felix-Werk (4)
Von der Brücke über die Eisenbahngleise am Haltepunkt Grünewald hat man einen guten Blick auf das Felix-Werk. 1843 hatte der Taschenmesserfabrikant Gustav Felix seine Fabrik an den verkehrsgünstigen Standort verlegt. Das im  zweiten Weltkrieg zerstörte Gebäude wurde vom  Solinger Architekten Prof. Körber 1956 im Stil des modernen Bauens ersetzt.  Es ist eines der schönsten Solinger Fabrikgebäude und wichtiges Beispiel für den modernen Industriebau in den 1950er Jahren.

Henckels Zwillingswerk (5)
Schon von weitem sieht man die „berühmtesten Zwillinge der Welt“ auf dem Dach des Henckels Zwillingswerkes. Die Marke Zwilling wurde bereits 1731 eingetragen und ist eine der ältesten überhaupt. Das mit Abstand größte Unternehmen der Solinger Schneidwarenindustrie ist seit 1840 auf dem heutigen Firmenareal ansässig. Die markante Front an der Kölner Straße stammt aus den 1920er Jahren. Messer, Bestecke, Scheren und Küchenhelfer können im Laden im Fabrikgebäude erworben werden.

Arbeiterhäuser der Firma Henckels (6)
Die ein- und zweigeschossigen Schieferhäuser am Zwillingsweg sind ein frühes Beispiel für den Werkswohnungsbau in Solingen (Ende 19. Jahrhundert). Sie verbinden traditionelle Bauweisen aus den heimischen Hofschaften mit der preiswerten und platzsparenden Bauweise des Massenwohnungsbaus.

Ehemalige Firma Abr. Herder Sohn (7)
Die 1727 gegründete Firma war eine der traditionsreichsten Solinger Schneidwarenbetriebe. 1993 ging sie in Konkurs. Heute befindet sich in dem Gebäude (Grünewalder Straße 29/31) das Gründer- und Technologiezentrum, in dem bis zu 40 verschiedene Unternehmen Platz finden. Die ehemalige Maschinenhalle wird für Veranstaltungen genutzt. In der ersten Etage des ehemaligen Verwaltungsgebäudes kann das rekonstruierte Lieferkontor der Firma Herder im Rahmen der Bürozeiten des Gründerzentrums besichtigt werden.

Firma Köller (8)
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite stehen die Gebäude der ehemaligen Firma Köller. Das 1881 gegründete Familienunternehmen beschäftigte rund 50 Mitarbeiter und zahlreiche Heimarbeiter. Eine flexible Spezialisierung, besonders auf Berufsmesser, wurde der Massenproduktion stets vorgezogen. 1990 übernahm das Puma-Werk die Firma und gab den Standort Ende der 90er Jahre auf.

An der nächsten Straßenecke führt der Weg weiter durch die Gasstraße.

Firma Linder Deltawerk (9)
Die 1878 gegründete Firma Linder Deltawerk (Gasstraße 10-14) hatte sich früh auf Spezialprodukte wie Reben- und Gartenscheren spezialisiert. Die ungefährdete Monopolstellung der Produkte sorgte für einen großen Absatz. Vor dem ersten Weltkrieg war die Firma Schauplatz erbitterter Arbeitskämpfe. Heute ist das „Deltawerk“ ein privates Gründerzentrum. Zahlreiche Firmen, auch aus den Bereichen Medien, Kunst und Kultur, haben in den Gebäuden rund um den schönen Innenhof ein kreatives Milieu geschaffen.

Villa Kölker (10)
Gegenüber (Gasstraße 9)  ließ sich 1897 der zu Wohlstand gelangte Schnapsbrenner Carl Kölker eine Villa errichten. Mit fast 500 Quadratmetern Wohnfläche ist sie eine der größeren Solinger Gründerzeitvillen. Viele Details der reichen Ausstattung sind heute noch erhalten.

Ehemalige Stadtwerke / Gaswerke
Die Verwaltungs- und Werkstattgebäude wurden 1951 auf dem Gelände der 1877 in Betrieb genommenen Dorper Gaswerke errichtet. Die Stadtwerke, seit 1958 Eigenbetrieb der Stadt Solingen, verkauften das Gelände in den 1980er Jahren. Heute befinden sich hier ein Bürgerbüro der Stadt und das Solinger Stadtarchiv.

Ehemalige Messerfabrik Wingen (12)
Die 1888 gegründete Firma zog 1901 an die Gasstraße 54. Neben den mehrfach erweiterten Produktionsgebäuden entstand 1905 die Villa im Heimatstil und 1913 das neoklassizistische Bürohaus. Bis zur Stilllegung 1997 wurden noch sämtliche Arbeitsgänge der Schneidwaren- produktion in der Firma ausgeführt.

Ehemaliges Kolumbuswerk (13)
An der Ecke Gasstraße/Brühler Straße sah man bis 1999 auf das Kolumbuswerk. Das 1878 gegründete Werk hatte hier seit 1914 seinen Sitz, nach der Stilllegung wurde es abgebrochen. Erhalten sind zwei Wohnhäuser von 1895 im zeittypischen Renaissancestil.

Weiter geht es nach links in die Brühler Straße.

Ehemaliges Zwangsarbeiterlager (14)
Auf dem Firmengelände der ehemaligen Firma Schlemper befand sich gegen Ende des zweiten Weltkriegs ein Barackenlager. 12 der etwa 50 Zwangsarbeiter aus Osteuropa kamen hier 1944 bei Bombenangriffen ums Leben. Anfang 1944 arbeiteten in der Solinger Industrie weit über 10.000 ausländische Zwangsarbeiter.

Ehemalige Firma Eickhorn (15)
Die 1865 gegründete Firma war eine der führenden Solinger Blankwaffen-Fabriken. Die verzierten und aufwendig bearbeiteten Waffen wurden unter dem Warenzeichen „Eichhörnchen“  in die ganze Welt exportiert. 1976 ging die Firma in Konkurs, heute ist das Verwaltungs- und Wohngebäude (Brühler Straße 55) von 1900 erhalten.

An der nächsten Kreuzung führt ein Abstecher rechts in die Rathausstraße.

Firma Richard Herder (16)
1884 wurde das Dorper Rathaus errichtet, doch mit der Eingemeindung nach Solingen verlor es schon nach vier Jahren seine Funktion. 1922 kaufte es die 1884 gegründete Fa. Richard Herder. In den dahinter liegenden Fabrikhallen werden bis heute Gesenkteile und Werkzeuge produziert.

Zurück an der Kreuzung führt der Weg rechts über die Brühler Straße weiter. Von der Eisenbahnbrücke am Haltepunkt „Solingen-Mitte“ hat man einen guten Blick auf den Solinger Südpark und die Lutherkirche. An der Eissporthalle vorbei geht es an der nächsten Kreuzung nach links in die Birker Straße.

Städtische Badeanstalt Birkerstraße (17)
Am 28. Mai 1903 öffnete auf dem Gelände des alten Schlachthofes die erste städtische Badeanstalt. Schwimmbecken, Wannen- und Brausebäder wurden 1927 durch das Kinderfreibad “Planschetarium” ergänzt. Nach Kriegszerstörungen wurde nur die Jugendstil-Badeanstalt wieder aufgebaut.

Die Birkerstraße geht nach wenigen Metern in den Birkenweiher über, der wieder auf die Bahnhofstraße trifft. Sie führt zurück zum Forum Produktdesign und zum Solinger Südpark.

 

 

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